27. April 2020 KALI MA

AUGENBEWEGUNGEN


“She learned to say things with her eyes
that others waste time putting into words”
Corey Ford


Ich habe irgendwo gelesen: Wer einen Ort verlassen will muss erst dort ankommen. Trauma ist der Ort in unserem Körper wo unsere Seele leidet. Unsere Augen können uns an diesen Ort führen, denn sie wissen *Wo* dieser Ort ist. Während wir mit Augenbewegungen arbeiten gehen wir innerlich an diesen Ort, wo Schmerz und Trauma abgespeichert sind, d.h. wir treten in Kontakt mit unserem *Problem/Thema* und aktivieren die traumatische Erfahrung.

Im Englischen gibt es den wunderschönen und passenden Ausdruck: “to see it through”. Wird das *Thema* gezielt und begleitet von Augenbewegungen aktiviert, aktiviert dies das Autonome Nervensystem oder mit anderen Worten alle notwendigen Informationen, die zur Lösung und Heilung gebraucht werden. We see it through. Wir verweilen kurz, sehen/gehen innerlich hindurch und verlassen diesen Ort.

Die Augen sind das Tor zur Seele – so sagt der Volksmund! Die meisten von uns kennen bereits den bewussten Umgang mit Augenbewegungen aus dem Yoga: “schließe deine Augen und schaue innerlich auf den Punkt wo dein drittes Auge ist”. Es gibt eine direkt Verbindung zwischen den Augen und unseren Gefühlen. Ist jemand depressiv schaut er tendenziell nach unten. Bei dem Versuch eine komplizierte Rechenaufgabe zu lösen wandern die Augen tendenziell nach oben. Stark traumatisierte Menschen starren meist geradeaus vor sich hin (Tunnelblick) – sie haben das Traumatische Ereignis direkt vor Augen!

Unsere Augen sind ständig in Bewegung; sie scannen die Umwelt nach potentieller Gefahr. Es gibt eine direkte Verbindung eine Art *Shortcut* zwischen den Augen und der Amygdala. Die Amygdala ist der Teil des Gehirns der u.a. autonome Körperfunktionen steuert, auf Gefahr reagiert und uns bei drohender Gefahr handlungs- und überlebensfähig macht.

Nachts während wir schlafen verarbeitet das Gehirn die Ereignisse des Tages. Für unser Gehirn ist jede Erfahrung eine Lernerfahrung, denn wir wissen nicht, wann diese Information einmal (überlebens-) wichtig sein kann. Diese neuen Lernerfahrungen werden in der Nacht in verschiedenen Schlafphasen noch einmal wiederholt, sortiert, geordnet und anschließend im Langzeitgedächtnis abgelegt, gespeichert (oder auch integriert).

Die bekannteste Schlafphase ist der REM-Schlaf mit den charakteristischen schnellen Augenbewegungen bei geschlossenen Lidern. In der Trauma-Therapie entspricht dies der EMDR Methode. Sind die Tages-Ereignisse so überwältigend kann dieser nächtliche Verarbeitungs-Prozess stoppen. Dann können bestimmte Inhalte weder verarbeitet noch integriert werden. Konkret kann das auch bedeuten: wir wachen auf!

In der Therapie nutzen wir diese natürliche weil körpereigene Funktion zur Regeneration. Im wachen Zustand werden die Augenbewegungen angeleitet und (weiter-) ausgeführt. Körper und Seele werden so in der Verarbeitung schwerer Inhalte unterstützt, Blockaden gelöst und unsere natürliche Lebens-Energie kann wieder frei fließen.

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